Ratgeber

Schnee: von Millimetern Niederschlag zu Zentimetern Schnee

Fünf Millimeter Niederschlag können drei Zentimeter Pulverschnee oder zehn Zentimeter schweren, nassen Schnee ergeben – derselbe Wassergehalt führt zu ganz unterschiedlichen Schneetiefen.

Wenn Meteorologen von Niederschlag sprechen, meinen sie immer die Wassermenge, egal ob sie als Regen oder Schnee fällt. Ein Millimeter Niederschlag ist ein Liter Wasser pro Quadratmeter, und das gilt für Schnee genauso wie für Regen – der Schnee wird vor der Messung einfach vollständig geschmolzen. Deshalb kann eine Vorhersage "5 mm Niederschlag" für einen Schneefall angeben, ohne direkt zu sagen, wie viele Zentimeter am Boden liegen bleiben.

Die Verbindung zwischen Wassergehalt und Schneetiefe wird oft als Schnee-Wasser-Verhältnis oder Ratio bezeichnet. Eine gängige Faustregel ist 1:10 – ein Millimeter Wasser entspricht also einem Zentimeter Schnee. Das ist aber nur ein Durchschnitt, und in der Praxis variiert das Verhältnis stark je nach Temperatur und Schneestruktur.

Warum derselbe Niederschlag unterschiedliche Schneetiefen ergibt

Die Dichte des Schnees wird vor allem durch die Temperatur in der Wolke bestimmt, in der sich die Kristalle bilden, sowie in der Luft, durch die sie fallen. Ist es sehr kalt, gerne unter −10 °C, bilden sich leichte, stark verzweigte Kristalle mit viel Luft zwischen den Flocken. Solcher Schnee kann ein Verhältnis von 1:15 oder sogar 1:20 ergeben – fünf Millimeter Niederschlag werden dann zu 7,5 bis 10 Zentimetern flauschigem Pulverschnee.

Liegt die Temperatur stattdessen nahe null, was in Süd- und Mittelschweden während großer Teile des Winters häufig vorkommt, schmelzen die Kristalle auf dem Weg nach unten teilweise und klumpen zu großen, nassen Flocken zusammen. Dieser Schnee verdichtet sich bereits beim Auftreffen, und das Verhältnis kann auf 1:5 sinken. Dieselben fünf Millimeter Niederschlag werden dann nur zwei bis drei Zentimeter schwerer, nasser Schnee – der aber trotzdem genauso viel pro Quadratmeter wiegt wie der leichte Pulverschnee, weil die Wassermenge gleich ist.

SchneetypTypische TemperaturRatio (Wasser:Schnee)
Trockener PulverschneeUnter −10 °C1:15 bis 1:20
Normaler Winterschnee−5 bis −1 °C1:10 bis 1:12
Nasser SchneeNahe 0 °C oder knapp darüber1:5 bis 1:8
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Das Gewicht des Schnees auf dem Dach

Für ein Dach zählt nicht die Anzahl der Zentimeter, sondern das Gewicht, und dabei ist der Wassergehalt entscheidend. Frisch gefallener, trockener Schnee wiegt etwa 50–150 Kilogramm pro Kubikmeter. Schnee, der vom Wind verdichtet wurde oder einige Tage gelegen hat, wiegt typischerweise 200–350 Kilogramm pro Kubikmeter. Nasser Schnee, insbesondere Schnee, der teilweise geschmolzen und dann zu Eis gefroren ist, kann 500 Kilogramm pro Kubikmeter oder mehr wiegen – fast so viel wie Wasser selbst (1000 kg/m³).

Das erklärt, warum zwanzig Zentimeter frisch gefallener Pulverschnee einen Statiker selten beunruhigen, während zwanzig Zentimeter nasser Schnee nach ein paar Plusgraden an die Grenze dessen herankommen können, wofür ein älteres Blechdach oder ein Carport ausgelegt ist. Zum groben Vergleich: eine 20 cm dicke Schicht trockener Neuschnee wiegt in der Größenordnung von 20–30 kg pro Quadratmeter, während dieselbe Tiefe nassen Schnees 80–100 kg pro Quadratmeter oder mehr wiegen kann.

Nasser Schnee, umstürzende Bäume und Stromausfälle

Nasser Schnee ist auch die Schneeart, die am häufigsten umstürzende Bäume und Stromausfälle verursacht, obwohl er selten die tiefsten Schneelagen ergibt. Er bleibt an Ästen und Leitungen kleben und klumpt sich zusammen, wie es trockener, pudriger Schnee nicht tut – letzterer weht oder rieselt einfach ab. Folgt auf nassen Schnee zusätzlich Frost, sodass er festfriert, wird die Belastung für Äste und Stromleitungen besonders groß, und genau dann sieht man die umfangreichsten Waldschäden und Unterbrechungen der Stromversorgung.

Wind verstärkt den Effekt zusätzlich, indem er eine zusätzliche seitliche Kraft auf bereits belastete Äste ausübt. Es ist die Kombination aus nassem Schnee und einer frischen Brise, eher als eine extreme Schneetiefe an sich, die den meisten sturmbedingten Stromausfällen im schwedischen Winter zugrunde liegt. Mehr über die Kräfte des Windes findest du im Windratgeber.

Schneeschauer, Schneefall und Schneetreiben

Genau wie beim Regen unterscheiden Meteorologen zwischen organisiertem Schneefall, der von einem zusammenhängenden Frontensystem kommt und stundenlang mit gleichmäßiger Intensität andauern kann, und Schneeschauern, die kurzzeitige und oft intensive Entladungen aus einzelnen Wolkentürmen sind. Schneeschauer können für einige Minuten starken, dichten Niederschlag und nahezu null Sicht bringen, um dann völlig aufzuklaren – ein Muster, das in Luftmassen üblich ist, die über offenes Wasser ziehen, zum Beispiel über den Vänernsee oder die Ostsee bei nördlichen Winden früh im Winter.

Schneetreiben ist ein anderes Phänomen und bedeutet überhaupt keinen neuen Schneefall, sondern dass bereits liegender Schnee aufgewirbelt wird und sich am Boden entlang bewegt. Bei ausreichend hoher Windstärke, gerne über 10–12 m/s im offenen Gelände, kann Schneetreiben genauso schlechte Sicht wie ein starker Schneefall verursachen, während das Niederschlagsradar des SMHI überhaupt keinen Niederschlag zeigt – der ganze wirbelnde Schnee ist bereits früher gefallen.

Was das für die Straßenverhältnisse bedeutet

Für den Verkehr sind es selten die reinen Zentimeterzahlen, die entscheiden, wie gefährlich die Straßenverhältnisse werden, sondern die Kombination aus Temperatur und Niederschlagsart. Schnee um 0 °C, der vom Verkehr verdichtet wird, wird innerhalb einer Stunde blank und sehr rutschig. Trockener Schnee bei deutlichen Minusgraden ergibt oft bessere Griffigkeit, weil die Kristalle nicht schmelzen und sich auf dieselbe Weise zu Eis verdichten. Der schnelle Wechsel zwischen Plus- und Minusgraden, häufig im Herbst und Frühling, ist deshalb oft gefährlicher als ein stabiler, kalter Schneefall.

Achte auch darauf, ob die Vorhersage die Niederschlagsmenge in Millimetern oder Zentimetern Schnee angibt – viele Wetter-Apps rechnen automatisch mit einem angenommenen Verhältnis von 1:10 um, was bei nassem Schnee unterschätzen kann, wie schwer der Schnee wird, und bei sehr kaltem Pulverschnee unterschätzen kann, wie tief er wird.

Warum liegt die Schneetiefe der Vorhersage manchmal völlig daneben?
Die meisten Modelle rechnen Niederschlag mit einem Standardverhältnis, oft 1:10, in Schneetiefe um. Liegt die tatsächliche Temperatur nahe null, wird der Schnee schwerer und dünner als berechnet; ist es ungewöhnlich kalt, wird er leichter und tiefer als berechnet.
Woher weiß ich, ob das Dach gefährdet ist?
Achte auf das Gewicht statt auf die Tiefe. Als sehr grobe Faustregel sollte man bei etwa 30–50 kg Schneelast pro Quadratmeter auf älteren oder leichten Konstruktionen aufmerksam werden, aber die genaue Grenze hängt von der Dimensionierung des Gebäudes ab – im Zweifel schaufeln oder einen Fachmann kontaktieren.
Warum bleibt Schnee an manchen Bäumen hängen, an anderen nicht?
Nadelbäume mit dichter Krone fangen mehr nassen Schnee ab als laublose Laubbäume, und Äste mit breiter, flacher Oberfläche sammeln mehr Schnee als schmale Äste. Deshalb sind Fichten- und Kiefernwälder bei nassem Schnee oft am stärksten von Schneebruch betroffen.
Ist Schneetreiben gefährlicher als frisch gefallener Schnee?
Es kann die Sicht verschlechtern, weil es schnell entsteht und oft bei bereits windigem Wetter auftritt, und es zeigt sich nicht auf dem Niederschlagsradar. Die Kombination aus schlechter Sicht und starkem Wind macht Schneetreiben zu einem unterschätzten Risiko in offenem, flachem Gelände.

Probiere gerne aus, verschiedene Temperaturen und Niederschlagsmengen im Visualisierer einzustellen, um zu sehen, wie sich der Schneetyp von leichtem Pulverschnee zu schwerem, nassem Schnee verändert.

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