Ratgeber

Von Millimetern zur Überschwemmung

Dieselbe Niederschlagsmenge kann eine willkommene Bewässerung oder ein vollgelaufener Keller sein. Der Unterschied liegt in der Zeit.

Ein Millimeter Regen ist ein Liter Wasser pro Quadratmeter. Dreißig Millimeter an einem Tag sind ein ordentlicher Regentag, den der Boden meist ohne Probleme bewältigt. Dreißig Millimeter in einer Stunde sind ein Wolkenbruch, der das Regenwassersystem an seine Grenzen bringt. Die Menge ist identisch – die Intensität entscheidet.

Was Boden und Kanalisation bewältigen können

Trockener, gut drainierter Sandboden kann bis zu 20–30 mm pro Stunde aufnehmen. Lehmboden schafft vielleicht 2–5 mm pro Stunde, und wenn er nach mehreren Regentagen gesättigt ist, sinkt der Wert gegen null. Asphalt und Dächer lassen gar nichts durch – das gesamte Wasser fließt direkt in die Kanalisation. Schwedische Regenwassersysteme in älteren Gebieten sind oft für Regen ausgelegt, der statistisch alle zehn Jahre auftritt, was in der Praxis etwa 20–30 mm pro Stunde bedeutet. Über diesem Niveau steht das Wasser auf der Straße, egal wie gut alles sonst funktioniert.

IntensitätEntsprichtWirkung im Stadtgebiet
1–2 mm/hNieselregenDie Straße wird nass, keine nennenswerten Pfützen.
3–7 mm/hMäßiger RegenPfützen bilden sich in Senken, Abläufe kommen mit.
8–15 mm/hStarker RegenFließendes Wasser entlang des Bordsteins, schlechte Sicht.
16–30 mm/hSehr starkAbläufe überlastet, Wasser steht auf der Straße.
30 mm/h +WolkenbruchTunnel und Keller laufen über.
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Deshalb trifft es Städte am härtesten

Im Wald fangen die Baumkronen einen Teil des Regens ab, die Streuschicht bremst den Rest, und der Boden nimmt das Wasser über lange Zeit auf. In der Stadt ist der Großteil der Fläche versiegelt, sodass fast der gesamte Regen innerhalb von Minuten abfließt. Das lässt den Abflussgipfel schnell und hoch ansteigen. Derselbe Wolkenbruch, der im Wald kaum auffällt, kann in einer Stadt eine Unterführung sperren.

Was du zu Hause tun kannst

Reinige Dachrinnen und Fallrohrabläufe – die meisten Kellerüberschwemmungen beginnen mit Laub in einem Ablauf. Stelle sicher, dass der Boden auf den ersten Metern mindestens einige Zentimeter pro Meter vom Hausfundament weg abfällt. Leite Fallrohre auf den Rasen oder in eine Regentonne, statt direkt in die Kanalisation, wo es erlaubt ist. Hast du einen Bodenablauf im Keller, kann sich ein Rückstauventil in tief liegenden Gebieten lohnen.

Bei einer Wolkenbruchwarnung: bringe Wertsachen vom Kellerboden nach oben, parke nicht in Senken oder unter Unterführungen, und fahre nicht in Wasser, dessen Tiefe du nicht einschätzen kannst. Schon dreißig Zentimeter fließendes Wasser können einen Pkw anheben.

Die Intensität sehen statt raten

Vorhersagen geben oft Millimeter pro Stunde an. Im Visualisierer kannst du genau diesen Wert einstellen und sehen, wie dicht die Tropfen fallen und wie schnell die Pfützen wachsen, sowohl in der Stadt- als auch in der Waldumgebung. Mehr zu den Einheiten findest du im Regenratgeber.

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